Der Sicherheitsexperte Joshuy Rubin hat eine Schwachstelle im Google Wallet-Bezahlsystem entdeckt. Hierdurch haben Angreifer die Möglichkeit, an die Pin für die NFC-Bezahlung zu kommen. Nur gerootete Geräte sind dagegen geschützt.
Das Zahlsystem Google Wallet ermöglicht Android-Smartphones-Besitzern eine kontaktlose Bezahlung per NFC (Near Field Communication), anstelle von Kreditkarte und Bargeld. Damit die NFC-Bezahlung vorgenommen werden kann, benötigen die Benutzer eine Pin-Nummer. Das Secure Element der Smartphones wird hierdurch vor unberechtigtem Zugriff abgesichert. Hier befinden sich zum Beispiel Kreditkarteninformationen, an welche niemand herankommt. Normalerweise ist die Pin von Android-Geräten sehr gut geschützt. Wird die Pin mehrmals falsch eingegeben kann eine NFC-Bezahlung nicht mehr durchgeführt werden. Allerdings hat die Pin-Nummer nur vier Stellen, sodass ein Angreifer, wenn er an die Datenbank kommt, es leicht hat. Hierfür wird nur ein einfacher Brute-Force-Angriff benötigt und nach höchstens 10.000 Versuchen wird die Pin-Nummer geknackt. Soll die NFC-App-Sicherheitsfunktion umgangen werden, dann müssen die Smartphones gerootet werden. Hiermit ist der Zugriff auf die Datenbank, in der der Hashwert der Pin gesalzen liegt, frei.
Joshuy Rubin kritisiert, dass die Google Applikation ohne Sicherheitskriterien programmiert sind. Die Brisanz der Daten versucht Google zum Beispiel mit Metadaten-Begriffen zu maskieren. Offenbar verlässt sich Google darauf, dass die Geräte selbst geschützt sind. Auch wenn die Zielgruppe gering ist, Rooting ist nicht Außergewöhnliches. Da die Pin sehr kurz ist, stellt es keine Herausforderung dar, die wichtigen Bezahl-Funktionen aus diesem System zu extrahieren.
Google kennt dieses Problem
Google ist bereits über diese Schwachstelle informiert worden und hat angeblich auch schon Lösungen. Rubin selbst kennt dieses Problem schon seit Anfang Januar 2012, was in Demovideos zu erkennen ist. Laut Rubin gibt es allerdings ein grundsätzliches Problem, welches einen Patch bislang verhindert hat. Eine Möglichkeit wäre, die Pin ins Secure Element zu verlagern. Hier existiert aber ein signierter Code und der Aufwand, um diesen zu verteilen, ist sehr hoch. Schwierig sind auch die rechtlichen Probleme. Möglicherweise kommt es zu einer Change of Agency. Wenn das stimmt, dann besteht die Möglichkeit, die Verantwortung der Pin-Sicherheit auf die Banken zu übertragen. Diese Entscheidung müssen jetzt die Banken treffen. Wandert die Pin ins Secure Element, dann ist die Pin, laut Rubin, nahezu sicher.
Da Google Wallet in Europa noch nicht im Einsatz ist, ist die Schwachstelle hier noch nicht relevant. Der Einsatz dieses Dienstes beschränkt sich laut Google, bisher auf den US-Netzbetreiber Sprint. Eine Verbreitung ist also sehr gering. Das Problem zeigt aber, dass sich das kontaktlose NFC-Bezahlen im Bereich der Sicherheit noch im Anfangsstadium befindet.
